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Anklage wegen Verdachts des Insiderhandels im großen Stil

Datum: 30.10.2015

Kurzbeschreibung: 

STAATSANWALTSCHAFT MANNHEIM
Pressereferent

 

PRESSEMITTEILUNG
(30.10.2015)

Anklage wegen Verdachts des Insiderhandels im großen Stil 

Die Staatsanwaltschaft hat beim Landgericht Mannheim - Wirtschaftsstrafkammer - Anklage gegen drei Angeschuldigte wegen des Verdachts des Insiderhandels in mehreren Fällen erhoben. 

Der Hauptangeschuldigte soll im Juli 2008 540.000 Aktien eines pharmazeutischen Unternehmens verkauft haben, nachdem er vorab die interne Information erhalten haben soll, es sei im Zulassungsverfahren für ein Medikament der Aktiengesellschaft zu Problemen gekommen. Dadurch soll es ihm möglich gewesen sein, Kursverluste in Höhe von insgesamt 664.000 € für sich und seine Firmen zu vermeiden. 

Zudem soll der Unternehmer zusammen mit einem Geschäftspartner von August bis Oktober 2011 eine Million Aktien eines biopharmazeutischen Unternehmens erworben haben, nachdem er zuvor die noch nicht öffentlich bekannte Information erhalten haben soll, dass dieses Unternehmen übernommen werden sollte. Nach erfolgreichem Abschluss der Übernahmeverhandlungen im Januar 2012 sollen sie einen Kursgewinn in Höhe von 6,8 Mio. US-Dollar erzielt haben. In diesem Zusammenhang soll der angeschuldigte Unternehmer zudem einem befreundeten Mitangeschuldigten 160.000 € zum Erwerb dieser Aktien zur Verfügung gestellt haben, wodurch auch dieser einen Kursgewinn von 258.000 € erzielt haben soll.

Ein bestehender Haftbefehl gegen den Unternehmer wegen Fluchtgefahr konnte nur gegen eine Kaution in Millionenhöhe außer Vollzug gesetzt werden. Vermögenswerte wurden in Höhe von mehr als 22 Mio. Euro gesichert. Die Ermittlungen führte für die Staatsanwaltschaft Mannheim das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

gez. Lintz
Erster Staatsanwalt

 


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Ergänzende Information: 

Nach § 38 Wertpapierhandelsgesetz kann mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden, wer unter Verwendung einer Insiderinformation Insiderpapiere für eigene oder fremde Rechnung oder für einen anderen erwirbt oder veräußert (§14 Wertpapierhandelsgesetz). 

In dem vorliegenden Verfahren wurden nicht nur Gewinne der Angeschuldigten, die sie aus der Tat erzielt haben sollen, abgeschöpft, sondern es wurden auch Aktien gesichert, die mit den aus der Tat erwirtschafteten Geldern gekauft worden sein sollen (sogenanntes Surrogat). Darüber hinaus gilt bei der Vermögensabschöpfung das sogenannte Bruttoprinzip. Es können aus strafbaren Handlungen nicht nur die Gewinne, sondern die Summe aller Vermögenswerte abgeschöpft werden, die dem Täter in irgendeiner Phase des Tatablaufes zugeflossen sind.

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