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Umsatzmanipulationen im Millionenbereich - Anklage gegen ehemalige Vorstände der Hess AG erhoben

Datum: 15.10.2015

Kurzbeschreibung: 

STAATSANWALTSCHAFT MANNHEIM
Pressereferent

 

PRESSEMITTEILUNG
(15.10.2015)

Umsatzmanipulationen im Millionenbereich - Anklage gegen ehemalige Vorstände der Hess AG erhoben 

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat nach umfangreichen Ermittlungen gegen zwei ehemalige Vorstandsmitglieder der Hess AG mit Sitz in Villingen-Schwenningen wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch bzw. Aktiengesetz nebst Verletzung der Buchführungspflicht, des Kapitalanlagebetruges mit vorsätzlicher Marktmanipulation, des Kreditbetruges und der Untreue im besonders schweren Fall Anklage zur Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim erhoben.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende sowie der ehemalige Finanzvorstand sollen in den Jahren 2011 und 2012 nicht bestehende Umsatzerlöse in Höhe von mehreren Millionen Euro ausgewiesen und dadurch die Ertragslage der Hess AG im Jahresabschluss 2011 sowie den Konzernzwischenabschlüssen zum 30.06. und 30.09.2012 zu positiv dargestellt haben. Zur Verschleierung sollen sie Rechnungen der Hess AG an andere Unternehmen ausstellen und verbuchen haben lassen, obwohl keine tatsächlichen Leistungen erfolgt waren. Soweit die Forderungen aus diesen Rechnungen beglichen wurden, war den Rechnungsempfängern zuvor Liquidität zur Verfügung gestellt worden. Die Manipulationen sollen im Hinblick auf den Börsengang der Hess AG zum 24.10.2012 erfolgt sein und auch Eingang in den Emissionsprospekt gefunden haben. Beide Vorstände waren am 21.01.2013 wegen dieser Vorgänge vom Aufsichtsrat abberufen worden. Der neu eingesetzte Vorstand stellte am 14.02.2013 Insolvenzantrag. 

Bei den angeklagten Fällen des Kreditbetrugs handelt es sich um Darlehensgewährungen im Jahr 2012 durch drei geschädigte Banken in Höhe von 1,5 Mio., 3 Mio. und 10 Mio. Euro. Zudem sollen die Angeschuldigten Untreue begangen haben, indem sie unerlaubt mit Firmengeldern im Jahr 2011 durch ein Tochterunternehmen ein Grundstück zu einem um 500.000 EUR überhöhten Kaufpreis erwerben ließen und im Oktober 2012 nicht zum Konzern gehörige Gesellschaften veranlassten, Aktien der Hess AG  in Höhe von 2 Mio. € zu zeichnen, um eine tatsächlich nicht vorhandene Nachfrage vorzutäuschen. 

Auch gegen den Vater des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, der zuletzt als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender tätig war, wurde Anklage wegen Verdachts der unrichtigen Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch und der Beihilfe zur gemeinschaftlichen unrichtigen Darstellung erhoben. Daneben richtet sich die Anklage gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Hess AG sowie zwei Geschäftsführer konzernfremder Gesellschaften, die als Gehilfen an den Manipulationen mitgewirkt haben sollen. 

gez. Lintz
Erster Staatsanwalt

 


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